Identity Resolution

Wer bist du eigentlich?
Warum Identity Resolution 2026 zur Pflichtübung für jede Personalisierungsstrategie wird

Warum das Auseinanderfallen von Identität 2026 zur größten Hürde für Personalisierung wird – und was Marketingverantwortliche jetzt tun sollten.

Identity Resolution – Header-Visual

Auf einen Blick

Ein:e Kund:in recherchiert am Handy in der U-Bahn, vergleicht am Laptop im Büro und kauft schließlich mit Kundenkarte im Geschäft. Für sie ist das eine durchgängige Geschichte. Für die Systeme im Hintergrund sind es drei völlig fremde Datensätze – eine mobile Werbe-ID, ein Website-Login, eine Kartennummer. Genau dieses Auseinanderfallen von Identität ist der Grund, warum Identity Resolution gerade vom Nischenthema zur Basisinfrastruktur jeder Marketingorganisation aufsteigt.

Warum Personalisierung heute zählt

Personalisierung zahlt sich aus – wenn die Datenbasis stimmt

Die Zahlen sind eindeutig: Drei von vier Unternehmen sehen einen direkten Umsatzeffekt durch Personalisierung, mit im Schnitt rund einem Drittel höheren Warenkörben, wenn das Erlebnis passt.1 Sechs von zehn Konsumierenden kaufen eher bei Marken, die sich an ihre Vorlieben erinnern.2 Wenig überraschend also, dass Personalisierung inzwischen für 87 % der Unternehmen ganz oben auf der Agenda steht – ein deutlicher Sprung gegenüber dem Vorjahr.

Das Problem: Genau die Signale, auf denen Personalisierung aufbaut, werden knapper. Mobile Werbe-IDs verlieren durch Opt-in-Pflichten massiv an Reichweite – aktuelle Zahlen zeigen einen Rückgang der Opt-in-Rate auf rund 9 % bei iOS, von noch knapp 14 % Mitte 2024.3 In der Folge fehlt bei über der Hälfte der mobilen und gut einem Drittel der Desktop-Impressions mittlerweile jeglicher Identifier.4 Wer heute noch auf Cookie- und Device-ID-Logik allein setzt, baut auf einem schrumpfenden Fundament.

Der Markt zieht an

Vom Nice-to-have zur Kerninfrastruktur

Der aktuelle MarTech-Intelligence-Report zu Identity-Resolution-Plattformen bringt es auf den Punkt: Der globale Markt für entsprechende Software wuchs von 1,7 Mrd. USD im Jahr 2024 auf einen erwarteten Wert von 5,43 Mrd. USD bis 20345 – ein Wachstumstempo, das zeigt, wie zentral das Thema geworden ist. Gleichzeitig verschwimmen die Kategoriegrenzen: Was früher ein eigenständiges Zusatzmodul war, wandert zunehmend direkt in Customer Data Platforms, Data Clean Rooms und Cloud-Data-Warehouses. Die M&A-Wellen der letzten beiden Jahre – etwa Publicis‘ Zukauf von Lotame oder Experians Übernahme von Audigent – bestätigen: Wer Identität nicht selbst beherrscht, kauft sie sich ein.6

Baustellen und Chancen

Wo es in der Praxis hakt

Drei Baustellen ziehen sich durch fast jede Organisation:

  • Datensilos: Ein:e Kund:in, drei Systeme, drei Identitäten – CRM, Loyalty-Programm und Webanalyse sprechen selten dieselbe Sprache.
  • Datenqualität: Tippfehler, Dubletten und veraltete Kontaktdaten senken die Match-Rate und produzieren im schlimmsten Fall falsche Verknüpfungen.
  • Regulatorische Komplexität: DSGVO in Europa, dazu ein wachsender Flickenteppich an US-Bundesstaatengesetzen – zentrale Governance ist längst Voraussetzung, kein Nice-to-have mehr.

Auf der Chancenseite treiben vor allem drei Entwicklungen den Markt:

  • KI- und ML-Modelle stellen auch bei unvollständigen oder uneinheitlichen Daten noch verlässliche Verknüpfungen her.
  • Echte Echtzeit-Auflösung ersetzt die Batch-Verarbeitung über Nacht – Identität wird im Moment des Website-Besuchs aufgelöst.
  • Data Clean Rooms ermöglichen datenschutzkonforme Zusammenarbeit zwischen Marken, Publishern und Messpartnern, ohne Rohdaten offenzulegen.
CDP oder Spezialtool?

Identity Resolution als eingebauter Teil der CDP – nicht als Zusatzkauf

Der vielleicht wichtigste Trend für Marketingverantwortliche: Die Grenze zwischen „Identity-Resolution-Anbieter“ und „Customer Data Platform“ verschwimmt zunehmend. Moderne, aktivierungsstarke CDPs bringen deterministisches Identity Matching heute direkt mit – Profile werden nicht erst extern aufgelöst und dann importiert, sondern entstehen dort, wo sie auch genutzt werden: in denselben nativen Kanälen für Personalisierung, Kampagnensteuerung und Recommendations.

Wie unterschiedlich die Ansätze ausfallen, zeigt ein Blick auf den Markt: Reine Identity-Resolution-Spezialisten wie LiveRamp, TransUnion oder Experian bauen ihre Stärke auf jahrzehntelang gewachsenen Identity-Graphen mit Milliarden von Datenpunkten auf. Aktivierungsstarke CDPs wie Insider One, Segment oder Bloomreach gehen den umgekehrten Weg: Sie integrieren Identity Resolution direkt in die Plattform und koppeln sie unmittelbar an native Aktivierungskanäle.

David Stöger

„Identitätsauflösung, Consent-Management und Aktivierung über zwölf und mehr native Channels laufen hier nicht nacheinander in getrennten Tools, sondern in einem durchgängigen System – vom ersten anonymen Website-Besuch bis zur personalisierten Ansprache in E-Mail, App oder WhatsApp.“

David Stöger
Director Delivery, Premedia

Für Unternehmen bedeutet das: Die Frage lautet nicht mehr „Brauchen wir noch ein Identity-Resolution-Tool zusätzlich zu unserer CDP?“, sondern „Deckt unsere bestehende CDP das bereits ab – und wenn nicht, wie viel zusätzliche Komplexität (und Kosten) entstehen durch eine separate Lösung?“

Die nächsten Schritte

Was Unternehmen jetzt tun sollten

Bevor man sich in Vendor-Demos verliert, lohnt sich eine ehrliche Bestandsaufnahme:

  • Datensilos prüfen: Liegen Kundendaten aktuell verteilt in CRM, Shop-System, Loyalty-Programm und Analytics – ohne gemeinsame Identität?
  • Probleme benennen: Führen inkonsistente Identitäten schon heute zu spürbaren Problemen bei Personalisierung, Suppression oder Reporting?
  • Governance klären: Erfordern interne Richtlinien oder regulatorische Vorgaben eine zentrale Identity-Governance?
  • Echtzeit-Bedarf klären: Soll Identity Resolution echte Echtzeit-Anwendungsfälle unterstützen – etwa Personalisierung im Moment des Website-Besuchs?

Wer diese Fragen mit „Ja“ beantwortet, sollte Identity Resolution nicht als isoliertes Projekt behandeln, sondern als festen Bestandteil der CDP- und Personalisierungsstrategie mitdenken.

Diese Entscheidung lässt sich selten allein aus einem Feature-Vergleich ableiten – sie berührt die technische Architektur genauso wie die mittelfristige Datenstrategie. In unserer Beratungspraxis geht es deshalb meist nicht zuerst um die beste Match-Rate, sondern darum, wie Identity Resolution zur bestehenden Kanal-, Kunden- und Governance-Struktur einer Organisation passt.

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Gerne nehmen wir uns Zeit für ein unverbindliches Erstgespräch zu Ihrer Situation – von der Bestandsaufnahme bis zur Frage, ob Ihre bestehende CDP Identity Resolution bereits abdeckt.

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Fragen & Antworten

Häufig gestellte Fragen

Was ist Identity Resolution?
Identity Resolution verknüpft die verschiedenen Datenpunkte einer Person – etwa mobile Werbe-ID, Website-Login und Kundenkartennummer – zu einer einzigen, durchgängigen Identität. So entsteht aus mehreren fremden Datensätzen wieder das eine zusammenhängende Kundenerlebnis, das Kund:innen selbst erleben.
Warum wird Identity Resolution 2026 zur Pflichtübung?
Weil die bisherigen Signale knapper werden: Die iOS-Opt-in-Rate für mobile Werbe-IDs ist von knapp 14 % (Mitte 2024) auf rund 9 % gefallen, und bei über der Hälfte der mobilen Impressions fehlt inzwischen jeglicher Identifier. Gleichzeitig wächst der Markt für Identity-Resolution-Software von 1,7 Mrd. USD (2024) auf prognostiziert 5,43 Mrd. USD (2034) – ein klares Signal, wie zentral das Thema geworden ist.
Welche Herausforderungen bremsen Identity Resolution in der Praxis?
Vor allem drei: Datensilos zwischen CRM, Loyalty-Programm und Webanalyse, mangelnde Datenqualität (Tippfehler, Dubletten, veraltete Kontakte) sowie regulatorische Komplexität durch DSGVO und einen wachsenden Flickenteppich an US-Bundesstaatengesetzen.
Brauchen wir zusätzlich zur CDP noch ein separates Identity-Resolution-Tool?
Nicht zwangsläufig. Die Grenze zwischen Identity-Resolution-Anbietern und Customer Data Platforms verschwimmt: Aktivierungsstarke CDPs wie Insider One, Segment oder Bloomreach bringen deterministisches Identity Matching heute direkt mit. Die relevantere Frage ist daher, ob die bestehende CDP das bereits abdeckt – und welche zusätzliche Komplexität eine separate Lösung mit sich bringt.
Welche Rolle spielen KI, Echtzeit-Auflösung und Data Clean Rooms bei Identity Resolution?
KI- und ML-Modelle stellen auch bei unvollständigen oder uneinheitlichen Daten verlässliche Verknüpfungen her. Echte Echtzeit-Auflösung ersetzt die Batch-Verarbeitung über Nacht. Und Data Clean Rooms ermöglichen datenschutzkonforme Zusammenarbeit zwischen Marken, Publishern und Messpartnern, ohne Rohdaten offenzulegen.
Wie sollten Unternehmen das Thema Identity Resolution jetzt angehen?
Mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme statt direktem Sprung in Vendor-Demos: Wo liegen Kundendaten heute verteilt? Wo entstehen bereits spürbare Probleme bei Personalisierung oder Reporting? Und braucht es aus Governance- oder Echtzeit-Gründen eine zentrale Lösung? Erst danach lohnt sich der Blick auf konkrete Tools.
Quellen:
  1. Twilio, State of Customer Engagement Report 2025 – twilio.com/state-of-customer-engagement
  2. VML Enterprise Solutions, Future Shopper Report 2025 – vml.com/insight/future-shopper
  3. Singular, Daten zur iOS-Opt-in-Rate für mobile Werbe-IDs – singular.net/blog/att-opt-in-rates-2024
  4. Proximic by Comscore, State of Programmatic 2025 – proximic.com/2025-state-of-programmatic-report
  5. Global Growth Insights, MarTech-Intelligence-Report zu Identity-Resolution-Plattformen (Marktgröße 2024–2034) – globalgrowthinsights.com/identity-resolution-software-market
  6. M&A-Referenzen: Publicis (Übernahme Lotame), Experian (Übernahme Audigent)