ChatGPT: Das nächste Level steht bevor

Diese KI-Entwicklungen kommen jetzt auf Unternehmen zu 

„GPT-4 is the dumbest model any of you will ever have to use again ……by a lot“, mit dieser provokanten Aussage rüttelte Sam Altman, CEO von OpenAI, im Frühjahr am Bild der „allwissenden KI“. Vor wenigen Tagen legte Altman nach und prognostizierte, dass Künstliche Allgemeine Intelligenz (AGI) bereits 2025 Realität werden könnte. Eine Aussage, der viele andere Expert:innen kritisch gegenüberstehen.

Klar ist jedoch, dass sich die Dynamik der Marketingwelt seit der Veröffentlichung von ChatGPT im November 2022 drastisch verändert hat. Und vertrauen wir den Expert:innen, wird sich das im Jahr 2025 nicht ändern.

Lesen Sie, was die nächsten Entwicklungsstufen von ChatGPT sind, was die Roadmap von OpenAI für Unternehmen bereithält und wo drei heimische Branchen-Champions erfolgreich auf KI setzen. 

Der Weg zum beliebtesten AI-Tool:1


November 2022 – Der Durchbruch: ChatGPT 3.5 wird veröffentlicht und macht KI für Unternehmen greifbar – vor allem mit Use Cases in der Content-Produktion.

März 2023 – „The dumbest model“: GPT-4 hebt die Interaktionen auf ein neues Niveau und macht Antworten zu komplexen Themen erheblich präziser.

August 2024 – 200 Millionen User: ChatGPT ist das meistgenutzte KI-Tool mit monatlich 200 Millionen Usern. Für die erste Million brauchte man nur 5 Tage.

September 2024 – Aufstieg zum „Reasoner“: Schrittweises Denken und logische Schlussfolgerungen sind der nächste Schritt und machen ChatGPT zum „Reasoner“.

Drei zentrale Herausforderungen

Generative KI-Tools wie ChatGPT eröffnen seit mittlerweile 2 Jahren neue Perspektiven in Marketing- und Content-Strategien. Gleichzeitig zeigt das, wie viele Potenziale in den Prozessen schlummern – und vor welchen Herausforderungen Unternehmen dabei stehen:

  • „Shit in, shit out“ – das Mantra der Datenqualität ist aktueller denn je. Unternehmen müssen ihre Daten daher aus sämtlichen Quellen sammeln und harmonisieren, um von der KI relevante Outputs zu erhalten.
  • Identifikation relevanter Use Cases: Nur wenn KI als strategischer Hebel betrachtet wird, der an sämtlichen Prozessen, Tools und Marketing Technologien wirkt, resultieren daraus enorme Potenziale.
  • Ethik und Datenschutz: Angesichts strengerer Datenschutzgesetze – wie dem seit 1. August 2024 in Kraft getretenem EU AI Act – müssen Unternehmen sicherstellen, dass ihre KI-Initiativen rechtskonform sind.
Um die Potenziale von KI im Marketing tatsächlich zu nutzen, müssen Unternehmen in Zukunft mehr tun, als nur Technologien zu adaptieren. Sie müssen ihre Kultur, Strategien und Prozesse ganzheitlich neu ausrichten.

Manuel Mayr

Head of Business Development & Consulting
Premedia

Um die Potenziale von KI im Marketing tatsächlich zu nutzen, müssen Unternehmen in Zukunft mehr tun, als nur Technologien zu adaptieren. Sie müssen ihre Kultur, Strategien und Prozesse ganzheitlich neu ausrichten.

Manuel Mayr

Head of Business Development & Consulting
Premedia

ChatGPT wirksam einsetzen

In der Praxis zeigt sich, dass viele Unternehmen den Einstieg in die Automatisierung damit beginnen, ChatGPT gezielt auf einzelne Use Cases anzuwenden. Dabei wird zunehmend vernetzt gedacht, um Prozesse umfassend zu optimieren. In der Zusammenarbeit mit unseren Kund:innen erleben wir dabei zwei zentrale Einsatzfelder: Die Erstellung von hochwertigem und personalisiertem Content und die automatisierte und effiziente Datenwartung.

#1: Mehrsprachige Textegenerierung im Retail

Ein europäischer Retailer hat gemeinsam mit Premedia ein maßgeschneidertes Content Management System entwickelt. Über den neu integrierten Terminologiemanager werden Übersetzungspaare (beispielsweise AT: Sessel – DE: Stuhl – EN: chair – IT: sedia – NL: stoel) nun zentral und effizient gewartet. 

Im Content Editor werden auf Basis von vordefinierten Keywords zielgruppenspezifische und SEO-optimierte Content Beiträge nun wesentlich effizienter erstellt sowie automatisch verschlagwortet und für sämtliche Ländermärkte, in denen der Retailer verrteten ist, übersetzt.2

Dank der KI-Integration werden kanalsezifische Produkttexte nun konsistent, SEO-optimiert und automatisiert für sämtliche Länder erstellt.

#2: AI-basierte Produktbilder in der Industrie

Ein internationales Industrieunternehmen kann durch die Integration von Künstlicher Intelligenz in die Omnichannel Plattform automatisiert Freisteller für die über 9.000 Produkte erstellen lassen, anstatt diesen Schritt bei jedem Produkt manuell auszuführen.

Für zielgruppenspezifischen Content werden diese Freisteller automatisiert und fotorealisitsch in sogenannte „Mood-Bilder“ (Produkt-Umgebungen) integriert, was zusätzlich wertvolle Ressourcen spart.3

100% Ressourcen-Ersparnis: Die vormals manuelle Produktion von Freistellern und Mood-Bildern wird nun vollständig von der KI übernommen.

#3: SEO-optimierte Produktdaten in der Industrie

Ein führender österreichischer Industriekonzern hat die Qualität und die Konsistenz der Daten im zentralen Produkt Information Management (PIM) und damit über alle Marketing-Kanäle deutlich verbessert. Ermöglicht wird das durch eine KI-basierte Produktbild-Analyse und der darauffolgenden automatisierten Zuweisung (tagging) von Produktmerkmalen. 

Zudem werden sämtliche, Keywords, Produkttexte sowie Bild- und Video-Beschreibungen KI-basiert generiert, was die Customer Experience verbessert und den Product Content für Suchmaschinen wesentlich relevanter macht.4

Die KI-basierte Bildanalyse dient als Basis für die automatisierte Erstellung von Keywords und SEO-optimierten Produkttexten.

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Nächster Schritt „AI Agents“

Mit der Integration von „Reasoners“ – also KI Tools, die komplexe Aufgaben erfüllen und auf Expert:innen-Niveau beraten bzw. antworten können – gelingt es Unternehmen aktuell bereits, manuelle und repetitive Aufgaben zu automatisieren und Kapazitäten freizuschaufeln.

Die Use Cases in den Unternehmen zeigen aber auch, dass die KI-basierten Automatisierungen häufig nur Teile einer Prozesskette abdecken. Um künftig Prozesse End-to-End zu automatisieren, gilt es mehr und mehr im Konzept der nächsten Evolutionsstufe zu denken: Jenem der „AI Agents“.5

OpenAIs Roadmap: In 5 Stufen zur Künstliche Allgemeine Intelligenz (AGI)

Von „Reasoners“ bis hin zum Zielbild der „AI Organisations“ sind wir laut Sam Altman (nur) noch hunderte Tage entfernt. Andere Expert:innen rechnen erst im Jahr 2050 damit.6, 7

Diese AI Agents werden es schaffen, selbst komplexe und abteilungsübergreifende Aufgaben und Abläufe zu verbinden und sie vollständig zu automatisieren. Statt starr einfache Tasks abzuarbeiten, denken sie ganzheitlich und in Szenarien. Dabei lernen und optimieren sie sich kontinuierlich und passen sich agil an neue Rahmenbedingungen oder ein dynamisches Marktumfeld an.

AI Agents im Marketing von morgen?

AI Agents können autonom handeln, Abläufe intelligent vernetzen und diese selbstständig steuern. Im Fall einer Marketing Kampagne würde das so aussehen:

Mehrstufige Aufgaben bewältigen: Ein AI Agent plant und steuert eine komplette Marketingkampagne – von Zielgruppendefinition bis zur Content-Verbreitung.

Entscheidungen auf Grundlage veränderter Bedingungen treffen: Ändert sich der Markt, passt der AI Agent die Strategie oder die Inhalte in Echtzeit an.

Aus Erfahrungen lernen, um die Leistung kontinuierlich zu verbessern: Der AI Agent lernt aus vergangenen Kampagnen und optimiert künftige Strategien.

Was jetzt auf Unternehmen zukommt

Bei all der Dynamik und der Vielzahl an Entwicklungen lassen sich abschließend dennoch zwei zentrale Punkte festhalten:  

Erstens: Der Weg, den Unternehmen bisher mit KI und ChatGPT zurückgelegt haben, ist das essenzielle Fundament für alle zukünftigen Modelle und Tools im Bereich Künstliche Intelligenz. Und trotz unklarer Zeitpläne für die nächsten KI-Stufen zeigen die aktuellen Entwicklungen sowie die Aussagen von Sam Altman klar auf ein Ziel auf: Artificial General Intelligence (AGI). 

Zweitens: Der nächste logische und planbare Schritt besteht darin, dem Konzept der KI-Agents zu folgen. Dementsprechend gilt es, Prozesse miteinander zu verknüpfen und sie KI-basiert End-to-End zu automatisieren. Dabei sind neben Automatisierungs-Expertise auch umfassendes Know-how und eine ganzheitliche Betrachtung von Prozessen entscheidend, um die Effizienz und Effektivität im Unternehmen auf ein neues Niveau zu heben.

1 ExplodingTopics (2024): Number of ChatGPT Users (Nov 2024)
2, 3, 4 Informationen zu diesen laufenden KI-Projekten dürfen wir ausschließlich anonymisiert veröffentlichen, um den daraus entstehenden Wettbewerbsvorteil nicht zu gefährden.
5 Medium (2024): ChatGPT 5 and Beyond: OpenAI’s Five-Level Roadmap to AGI Unveiled
6 t3n (2024): Laut OpenAI-CEO: Künstliche Superintelligenz in greifbarer Nähe
7 informationweek (2024): Artificial General Intelligence in 2025: Good Luck With That

Manuel Mayr

Manuel ist Director Impact Lab bei Premedia. Seit mehr als 15 Jahren unterstützt er Unternehmen dabei, die Herausforderungen der Digitalisierung durch den Einsatz von Marketing Technologien zu meistern.

Manuels Schwerpunkte

  • Künstliche Intelligenz (KI)
  • Customer Data
  • Content Management